Michel Bradler ist stolz und glücklich. Er hat einen Arbeitsplatz im hpz am Standort Nettetal-Breyell bekommen, der ihm Spaß macht und außerdem auch noch einen großen Blumenstrauß mit Gratulation dazu. Er ist der 2000-te Mitarbeiter, auf den alle schon einige Zeit gewartet haben. Immer wieder bewegte sich die Zahl der Mitarbeiter dicht an der magischen Marke - jetzt ist es endlich soweit! Und wie es im hpz üblich ist, wird so ein Ereignis natürlich gefeiert.
Michel Bradler kam 1992 mit Down-Syndrom auf die Welt. 2010 als Schüler der Franziskus Schule (Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) in Viersen Süchteln überlegte er, zusammen mit seinen Eltern und Lehrern, wo er nach der Schulzeit arbeiten könne.
Reiner Gründler, Diplom Heilpädagoge und Abteilungsleiter Rehabilitation im hpz Nettetal, besuchte wie jedes Jahr die Abgangsklasse der Förderschule. Er stellte das hpz vor und machte die Schüler auf ein Schulpraktikum aufmerksam. Michel entschloss sich für ein solches Praktikum und so lernte er das hpz, die Kollegen und die verschieden Beschäftigungsbereiche kennen.
Nach einem erfolgreichem Praktikum stand für alle Beteiligten - Familie Bradler und das hpz - fest: Michel kann im Herbst 2011 im hpz anfangen! „Eigentlich“, sagt der 18-jährige Michel, „wollte ich Fußballspieler bei Borussia werden. Vielleicht werde ich doch mal Schauspieler beim ‚Herrn der Ringe‘, wenn ich hier fertig bin“.
Seit dem 6. September fährt Michel aber erst einmal täglich mit Kollegen aus dem Umkreis von Nettetal-Schaag mit einem Kleinbus morgens um 8 Uhr zur Arbeit und um 16 Uhr zurück. „Bei uns ist auf der Fahrt immer Party“, schwärmt Michel, der seine Lieblings-CDs mit Schlagern zum Mithören mitbringt.

Professionalität ist im hpz ein Muss
Reiner Gründler, überzeugter Duisburger und MSV-Fan, arbeitet seit 1994 im hpz und ist dafür sogar ins Niederrhein-Gebiet gewechselt. Im ersten Beruf Elektriker, über den zweiten Bildungsweg Studium der Heilpädagogik ist ein häufig anzutreffender Berufsweg für Arbeitspädagogen. Wer behinderten Menschen berufliche Perspektiven eröffnen möchte, profitiert von diesen dualen Qualifikationen. Jetzt leitet Reiner Gründler im hpz Breyell die Abteilung Reha und sorgt unter anderem dafür, dass die behinderten Mitarbeiter eine optimale, auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Ausbildung und Begleitung bekommen.
In Peter Saab hat Michel einen persönlichen Begleiter an die Seite gestellt bekommen, dem er vertraut und den er mag. Der Erzieher, der aus Herne kommt und frisch gebackener Vater einer kleinen Tochter ist, arbeitet seit 2007 im hpz. Er betreut als Gruppenleiter Michel zusammen mit fünf anderen behinderten Mitarbeitern und begleitet sie über zwei Jahre auf den wichtigen Etappen ihres persönlichen Berufsweges. Sie lernen verschiedene Abteilungen und Arbeitsbereiche kennen. Außerdem wird die körperliche Fitness, Gesundheit und auch Kreativität der Mitarbeiter im hpz gefördert. Fachkräfte des begleitenden Dienstes beraten und assistieren bei persönlichen Fragestellungen. Ein gutes Konzept, das Michels Eltern überzeugt hat. Am Ende seiner Zeit im Berufsbildungsbereich nach 27 Monaten entscheidet sich, ob Michel in seinem Lieblingsarbeitsbereich in einer der Werkstätten bleibt oder auf einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt vorbereitet wird.
Michel ist stolz auf seinen neuen Arbeitsplatz. Er hilft bei einer Postaussendung - ein sogenanntes Mailing - für einen Kunden, d. h. er muss Papiere sorgfältig falten und in Briefumschläge eintüten. Die Kästen, in denen er die fertigen Briefumschläge abgelegt, sind ordentlich gestapelt und mit einem weißen Schutzpapier abgedeckt, „damit nix dreckig wird.“ sagt Michel zufrieden, als er vorsichtig die Hülle lupft, unter der bereits mehrere Stapel ordentlich liegen.


Das hpz – Arbeitgeber mit vielen Chancen
Noch ist für Michel alles ziemlich ungewohnt. Er möchte neue Freunde finden, die seine Hobbies, wie z. B. Playstation, Borussia Mönchengladbach, Herr der Ringe und Schlager teilen. Gut, dass in seiner Gruppe die Eva aus seinem Wohnort arbeitet. Sie ist auch behindert und schlägt im Spielmannszug Breyell-Schaag-Kindt 1952 e. V. bei Schützenumzügen neben ihm die Becken. Durch seine ansteckende Fröhlichkeit und Begeisterung für Schlager wird er sicherlich schnell Anschluss im hpz finden. Im Moment ist Michel wegen seiner Feier als 2000-ter Mitarbeiter am 29. September aufgeregt. Seine Eltern werden auf jeden Fall dabei sein. Seine Schwester, die er Schwesterherz nennt, muss an diesem Tag in die Schule gehen. „Denen werde ich das alles erzählen.“ Reiner Gründler ist es wichtig, dass seine Mitarbeiter zufrieden mit ihrer Arbeit im hpz sind. Momentan kämpfen er und viele seiner Kollegen gegen eine einseitige Berichterstattung im aktuellen WDR-Sendeformat „Die Story“. Dort wird gezeigt, wie sehr das Schicksal von jungen Arbeitsnehmern in Behindertenwerkstätten bestimmt werde - natürlich nicht zum Guten. „Gerne würden wir das Filmteam davon überzeugen, dass es auch anders geht. Wir vom hpz stehen dafür, dass unsere Mitarbeiter ihre persönlichen Stärken entwickeln.“